Wallfahrtskapelle Sankt Leonhard Börwang

Die Wallfahrtskapelle Sankt Leonhard in Börwang, auch gerne als Leonhardskapelle oder Leonhardikapelle, bezeichnet, ist weit über die Landesgrenzen bekannt. Wann diese Kapelle genau erbaut wurde, ist leider nicht bekannt. Aus einer Schrift geht hervor, dass am 28.7.1495, unter Abt Matthäus von Ottobeuren, als Lehensherr von Haldenwang, und dem Dorfpfarrer Ulrich Grusen, die Stiftung einer Frühmesse erfolgte.

Man mutmaßt, dass die Kapelle zwischen 1460 und 1480 erbaut wurde – Tatkräftig unterstützt vom Ritter und Patronatsherrn von Börwang – Kaspar von Laubenberg zu Wagegg.

Der spätgotische Bau besticht durch den dreistirnigen Chor, dem Altarraum und dem Schiff mit der markanten hölzernen Empore.

Der Turm, der ursprünglich nicht so hoch war, wie heute, ist quadratisch mit Rollsteinen errichtet worden.

An der Decke der Kapelle befindet sich ein Fresko, das vom Überbacher Malermeiseter Johann Becherer im Jahre 1812 erschaffen wurde. Motiv ist der Schutzpatron der Kapelle, der Heilige St. Leonhard, der vor der Heiligen Dreifaltigkeit kniet.

Sankt Leonhard Deckenfresko

Sankt Leonhard Deckenfresko

Auch die vier Kirchenväter Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregor der Große an der getäfelten Emporenbrüstung stammen von diesem Künstler.

Hieronymus (* 347 in Stridon, Provinz Dalmatia; † 30. September 420 in Betlehem/Palästina)
Ambrosius (* 339 in Trier; † 4. April 397 in Mailand)
Gregor der Große (Gregorius, als Papst Gregor I.; * um 540 in Rom; † 12. März 604 ebenda)
Augustinus (* 13. November 354 in Tagaste, auch: Thagaste, in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien; † 28. August 430 in Hippo Regius in Numidien, heute Annaba in Algerien)

Die Kanzel, mit Akanthuswerk beschlagen, stammt aus der Zeit zwischen 1680-90.

Der Kanzelaufgang ist mit Reliefs der Kirchenväter verziehrt. An der Kanzelrückwand befindet sich ein Bild des lehrenden Christus.

Der Chorbogen besticht durch die holzgeschnitzten Heiligen Päpste Silvester (314 bis 334 mit Pferd, er ist Patron der Haustiere) und Urban (222 bis 230, mit Weintrauben, als Schutzheiliger des Weinbaus). Über ihnen findet sich ein Rokoko-Engel.

Der Altar wurde mutmaßlich Ende des 17. Jahrhunderts von den Haldenwangern Schreinern Peter und Hans Lerff erbaut.

Die Ritter von Wagegg fanden in der Kapelle und auf dem damaligen Friedhof ihre letzten Ruhestätten.
Eine der Grabplatten erinnert an den 1563 verstorbenen Leopold von Laubenberg und Wagegg.

Die Wallfahrtskapelle Sankt Leonhard in Börwang, wie sie im Jahre 1920 hätte aussehen sollen…Rechts das Anwesen Klosterweg 4 – früher „Beim Schindele“

Die Planung des Ausbaus der Kapelle erfolgte durch den Architekten Helms von Marktoberdorf – veranschlagte Kosten: 120.000 bis 150.000 Deutsche Mark.

Am 9.12.1920 wurde das Vorhaben mit 32 zu 18 Stimmen in einer Generalversammlung gekippt. Kurz darauf erwirbt der Salvatorianerorden die ehemalige Brauerei in Börwang. 1921 wird der Sitz der Kaplanei von Haldenwang nach Börwang verlegt.
Das vom Kichenbauverein erworbene Haus Nummer 16, heute Wagegger Straße 10, wurde dem Kaplan als Wohnhaus zugwiesen. Heute befindet sich dort das Heimathaus.

Baumaßnahmen:

1707 – Renovierung
1894 – Instandhaltung der Außenfassade
1912 – Gründung des „Kirchenbauverein Börwang mit dem Sitz in Börwang“. Erster Vorstand: Pfarrer Johann Witzigmann von Haldenwang
8.5.1916 – Stiftung eines Tabernakels durch die Börwanger Frauen
1949 – Renovierung im Innen- und Außenbereich
1950 – Neue Glocken (Im 2. Weltkrieg wurden 2 der 3 Kirchglocken zu Kriegszwecken eingeschmolzen)
1953 – Renovierung Hauptaltar
1954 – Anbau der Sakristei
1962 – Entfernung der Seitenaltäre
1971-72 – Renovierung durch Pfarrer Heribert Steiner, hierbei wurde das Deckenfresto über dem Hauptaltar, das Johannes den Taüfer und den Heiligen Josef mit dem Jesuskind zeigt, entdeckt
1994 – Erneuerung des Kichbodens im Kirchenschiff
1998-99 – Außenrenovierung (Überirdische Stromversorgung am Kichturm durch unterirdische ersetzt). Sanierung der Zwiebelhaube (Neubeschlag mit Kupferblech sowie Ausbesserung der Holzkonstruktion)